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1. Zum »Sekten«-Vorwurf: Wie diese Stellungnahme entstand

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Die ZEGG-Gemeinschaft hat seit 1991 immer wieder zu Kritik und Vorwürfen Stellung bezogen. Die Kritik am ZEGG bezieht sich überwiegend auf Veröffentlichungen von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels. Sie waren die Inspiratoren des Projekts MEIGA, aus dem heraus das ZEGG 1991 ursprünglich entstand, haben aber nie im ZEGG gelebt, sondern leiten seit 1995 das Projekt Tamera in Portugal.

Stellungnahme zum »Sekten«-Vorwurf

1.

Unsere Gemeinschaft wird von Kritikern, seien es kirchliche »Sektenberater«, Feministinnen oder Linksautonome u. a. pauschal als »Psychosekte«, »Sexsekte« oder »Jugendsekte« bezeichnet. Alternativ ist von »Politsekte« oder »Psychogruppe« die Rede. Staatliche Stellen haben vergleichbare Veröffentlichungen über uns seit 1998 nicht mehr publiziert.

Falsch ist dabei die Behauptung, das ZEGG sei »schon 1996 von der Bundesregierung als jugendgefährdende Psychosekte bezeichnet worden.«

Tatsächlich hatte die Bundesregierung 1996 die ZEGG-Gemeinschaft in den »Entwurf einer Broschüre« zu den »sogenannten Jugendsekten und Psychogruppen« aufgenommen. Der Abschlussbericht der zum Thema eingesetzten Enquetekommission stellte dann 1998 unmissverständlich fest, dass die Etikettierung von religiösen oder intentionalen Gruppen als »Sekte« diffamierend und unsachgemäß, weder aus politischer noch aus Verbraucherschutzperspektive vertretbar ist, die Neutralitätspflicht des Staates verletzt und daher insgesamt für staatliche Stellen unverantwortlich ist.
Deshalb sehen wir es als Verantwortung der Bundesregierung an, für eine aktuelle Richtigstellung zu sorgen, wie dies auf Landesebene in Berlin in vergleichbarer Weise geschehen ist.

Auch wenn Kritiker immer wieder behaupten, der Begriff »Sekte« sei »ein allgemein verständlicher Begriff der Umgangssprache, für den es keinen Ersatz gibt, will man sich der Allgemeinheit verständlich machen« (www.agpf.de), führt er zur Diffamierung betroffener Gruppen und verstärkt die öffentliche Tendenz, den Sektenvorwurf an die Stelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu setzen. Dies gilt auch für den Begriff »Psychogruppe«.
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2.

Keines der Merkmale des umgangssprachlichen Sektenbegriffs (wie »Ideologien im Widerspruch zum demokratischen Wertekonsens«, »hierarchischer Aufbau«, »Absolutheitsanspruch«, »Abhängigkeitsstrukturen« usw.) trifft auf unsere Gemeinschaft zu.

Mit dem für uns auch benutzten Begriff »Sex-Sekte« fügen Kritiker noch zusätzlich zwei Begriffe zusammen, die einen besonders großen Raum für Fantasien und Spekulationen eröffnen.
Die fälschliche Bezeichnung des ZEGG als angebliche »Nachfolge«- oder gar »Tarnorganisation« der früheren »Sex-Sekte AAO« ist denn auch der gemeinsame Dreh-und Angelpunkt für die pauschalen Sektenvorwürfe.
vgl. die Stellungnahme zu dieser Kritik

Zum Teil sind wir bis heute mit Vorwürfen konfrontiert, die in zwei Sekten-Kampagnen gegen die »Bauhütte« (1983-1986 unter Leitung von Dieter Duhm) und das Projekt Meiga (1990) erhoben wurden und seitdem nicht mehr hinterfragt worden sind.

3.

Die Sektenvorwürfe hatten in der Geschichte des ZEGG gravierende Konsequenzen für uns als Bewohner, für Freunde, Gäste und ReferentInnen, wie Arbeitsplatzkündigungen, Aberkennung der Gemeinnützigkeit von Vereinen, Ablehnung von Fördergeldern oder FÖJ-Stellen, Nutzung als Druckmittel in Sorgerechtsprozessen, Absage von Veranstaltungsräumen, Anträge auf Ausschluss des ZEGG aus politischen Organisationen usw.

Hinzu kommt, dass wir unsere Erfahrungen, Impulse und Kompetenzen nicht in dem von uns gewünschten Maß einbringen konnten, weil Vorurteile und die »Sektendiskussion« das immer wieder verhinderten, ohne dass eine inhaltliche Auseinandersetzung stattfand.

Einige persönliche Statements:

»Was mich am meisten nervt, ist, dass Menschen, die noch nie im ZEGG waren, immer wieder alte Vorwürfe aufwärmen, die durch die Jahre und die oftmalige Wiederholung nicht wahrer werden.So sind echte Mythen entstanden…
Zumal sich dann auch die meisten der Kritiken auf Literaturstellen von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels beziehen und fast nie auf konkrete Gegebenheiten oder Vorkommnisse im realen ZEGG. Es hat was von Sisyphus, immer wieder auf die gleichen Kritiken zu antworten, die meist ihre Quelle in einigen wenigen Veröffentlichungen haben, die vor vielen Jahren erschienen sind. Das Internet sorgt dafür, dass immer wieder neue Kritikergenerationen auf die immer wieder gleichen Kritiken zurückgreifen können …«
Bill Nickl
»Ich bin selber nicht glücklich mit vielen dieser Formulierungen. Aber die Bücher sind nicht unsere Bibel, sondern z. T. autobiografische Erzählungen und Gedanken zweier unbequemer »Neudenker«. Man kann sich von ihnen inspirieren lassen oder sie weglegen.
Schade ist, dass die KritikerInnen so selten herkommen um sich ein eigenes Bild zu machen oder sonst wie das Gespräch suchen. Ich bin sehr gerne bereit dazu, denn ich verstehe die Kritik an den Textstellen, aber ich bin traurig über die hartnäckigen Vorurteile, die daraus entstanden sind.«
Hagara Feinbier
»Ich habe meine ganze Kindheit, Jugend und Studentenzeit innerhalb der evangelischen Kirche verbracht … Dort hat mein Glauben einen Widerhall gefunden in sinnvollem Tun und ich habe gelernt, was Gemeinschaft bedeutet.
Später in Studien- und Arbeitsjahren habe ich diesen Klang von ehrlichem Miteinander, von gemeinsamem Vertrauen und daraus folgendem engagiertem Handeln in der Welt so erst wieder hier im ZEGG gefunden …
Dass ich aber genau an der Stelle und deswegen von Mitchristen angefeindet werde, macht mich immer wieder betroffen und ehrlich gesagt – ich verstehe es überhaupt nicht. Worauf beruft sich die Kirche mit ihren immer wieder neuen Anfeindungen gegen uns? Inhaltlich weiß ich nur, dass es Ihnen immer wieder um die Rolle der Familie geht – Fakt ist aber hier, dass bei uns Familien über lange Jahre darin unterstützt werden, ihre Liebe zu erhalten und gemeinsam ihre Kinder großzuziehen. Für uns ist das vertrauensvolle Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ein hoher Wert.«
Barbara Stützel, aus einem Brief an einen Pfarrer 2006
4.

Aus unserer Sicht gibt es eine Reihe von (Hinter-) Gründen für die Nutzung des Sekten-Begriffs durch unsere Kritiker:

  • Der Sektenvorwurf dient der Ausgrenzung unerwünschter gesellschaftlicher Alternativen.
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  • Jeder gelebte Vorschlag zu einer Lebensalternative ist eine individuelle und gesellschaftliche Provokation – vor allem beim Thema Liebe, Sexualität und Gemeinschaft:
    Ein neues Vertrauen kann nur aus einer neuen Lebensweise entstehen. Solche Veränderungen rücken uns direkt auf den Pelz – und darum haben wir Angst vor ihnen.
    (P.M., Subcoma – Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft, Zürich 2000.)
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  • Speziell in Deutschland spielen beim Thema Gemeinschaft auch die traumatisierenden Erfahrungen des Faschismus eine Rolle – Gemeinschaft wird mit einer Aufgabe der eigenen Individualiät gleichgesetzt, eine basisdemokratische Gemeinschaft, in der man zu einer größeren Selbstentfaltung kommen kann, wird gar nicht in Betracht gezogen.
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  • Sektenvorwürfe werden auch genutzt, wenn persönliche oder innerfamiliäre Konflikte auf eine Gemeinschaft projiziert werden.
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  • Der Sektenbegriff wird zur Abgrenzung zwischen konträren Weltbildern genutzt, zum Beispiel, wenn die christliche Überzeugung von der »Erlösung durch göttliche Gnade« dem Paradigma einer Emanzipation des Menschen aus eigener Kraft gegenübersteht.
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5.

Wir möchten unsere KritikerInnen im Hinblick auf manche Methoden der Berichterstattung und auf die Konsequenzen, die diese für unser Projekt und für unsere Gäste und Freunde hatten und nach wie vor haben, an ihre Verantwortung zur Fairness erinnern.

Dass ein provozierendes Projekt auf Protest und Misstrauen stößt, ist nicht überraschend. Die Arbeitsweise mancher Medien zum ZEGG hat allerdings in den Anfangsjahren die Grenze zum Rufmord und zum aktiven Zerstörungsversuch überschritten.
Ein Beispiel

Mit oft juristisch unangreifbaren Umschreibungen (»es hält sich das Gerücht, dass«, »das ZEGG muss sich immer noch den Vorwurf gefallen lassen, dass« usw.) wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, welche beim nächsten Zitieren schon als »Wahrheit« weitergegeben wurden.
Heraus kamen dann Aussagen, die jeder realen Grundlage entbehren.
Natürlich sind freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit wichtige Grundrechte einer Demokratie. Aber das bringt auch mit sich, dass es praktisch keine rechtliche Handhabe gegen irreführende, tendenziöse, schlampige oder sensationsheischende Berichterstattung gibt.

6.

Zu unserer Auseinandersetzung mit der Kritik an unserer Gemeinschaft gehört auch ein selbstkritischer Blick auf unsere eigene Rolle bei der gesamten Sektendiskussion.
Aus heutiger Sicht gab es während der Anfangsjahre des ZEGG einige Ansatzpunkte dafür, Theorie und Lebenspraxis des ZEGG als »sektiererisch« wahrzunehmen.
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Weil die immer gleichen, oft auch längst überholten, im Internetzeitalter aber stets abrufbaren Kritiken seit Jahren unsere Arbeit beeinträchtigen,veröffentlichen wir hier eine ausführliche Stellungnahme. Ein Redaktionsteam von etwa zehn Gemeinschaftsmitgliedern hat die Texte formuliert, und der Gemeinschaft vorgestellt.

Auch für diese Stellungnahme gilt: Wir sind kein homogener Organismus, der über alle Dinge des Lebens gleich denkt. Einzelne von uns würden einige Textstellen anders formulieren. Die Texte auf unserer Homepage sollen vermitteln, mit welchen Ideen wir uns auseinandersetzen.
Wie in jedem Experiment werden auch im ZEGG Dinge getan oder Sätze gesagt, die man später anders probieren oder anders formulieren würde.
Das finden wir unvermeidlich und ganz menschlich. Wir sind in einem ständigen Entwicklungsprozess, zu dem für uns Kritik von außen und Selbstkritik dazugehören.

Das ZEGG ist ein Erfahrungs- und Experimentierraum und eine menschlich kooperative Basis für die Arbeit an Utopien. Wir wollen nicht nur gegen Gewalt, Faschismus, Rassismus, Sexismus sein, sondern diese Strukturen auch in der eignen Person erkennen und überwinden: das ist das eigentliche Experiment des ZEGG.
ZEGG-Magazin Nr. 9 Juli/August 1993

Viele unserer Gäste, ReferentInnen und Menschen aus unserem Freundeskreis haben sich immer wieder positiv über unsere Arbeit geäußert.
mehr dazu: Referenzen

Wir laden Freunde und KritikerInnen ein, kritische Beiträge und Feedback, Lob und Dank, Ergänzungen und Vorschläge zu richten an: feedbackzeggde

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, sich selbst ein Bild über das ZEGG zu machen:

  • durch die Texte und Erfahrungsberichte auf unserer Homepage
  • durch die (kostenlosen) Besuchsmöglichkeiten jeden Sonntag von März bis August, am »Tag der offenen Tür« oder nach Absprache
  • durch Einladung an uns zu einer Info-Veranstaltung vor Ort oder
  • durch Teilnahme an einem ZEGG- Info- Wochenende oder anderen Seminaren und Workcamps.

Die ZEGG - Gemeinschaft
Juni 2007

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