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5. Zur »Sexismus« - Kritik

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Wir sind bekannt dafür, dass Liebe und Sexualität in unserem Gemeinschaftsaufbau eine wichtige Rolle spielen.

Wir nehmen hier Stellung zu folgender Kritik am ZEGG:

»Bewusstsein in der Liebe« ist für uns eine umfassende Kulturarbeit an der Heilung unserer Lebensquellen Liebe und Sexualität. Damit meinen wir eine geistige und emotionelle Arbeit an uns selbst und eine politische Reflexion und Arbeit an diesen Themen.

Den Begriff »Freie Liebe«, für den wir in diesem Zusammenhang bekannt sind, verwenden manche von uns nicht mehr, da er immer wieder Missverständnisse und falsche Assoziationen auslöst.
Mit diesem Begriff war und ist die Utopie gemeint, ein menschliches Zusammenleben aufzubauen, wo die sexuelle und liebende Zuwendung eines Menschen zu einem andern in einem Dritten nicht mehr Angst, Eifersucht und Hass hervorruft.

 
  • »Das ZEGG sieht die Ursache aller gesellschaftlichen Probleme völlig undifferenziert in der Unterdrückung der Sexualität.«

Wir sehen die aktuellen gesellschaftlichen Probleme nicht »ausschließlich in der Unterdrückung der Sexualität begründet«.
Die kritische Analyse des kapitalistisch-patriarchalen Systems ist Grundlage unserer Arbeit im ZEGG.

Zu unserer Suche nach bewusst gelebter Sexualität müssen immer unsere Konzepte für Partnerschaft und Gemeinschaft und unsere politischen Ziele mitgedacht werden. Wer das nicht mitzitiert, entwirft das eindimensionale Bild von »Rettet die Welt durch Sex …«

Liebe und Sexualität sind ein Politikum, weil es für das Gelingen der Liebe auch sozialer und kultureller Veränderungen bedarf. Freiheit in der Liebe und Anteilnahme an der Welt sind für uns zwei Seiten derselben Medaille.
Unterdrückte Sexualität ist eine der Ursachen für Gewaltbereitschaft.

»Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist.«

Diese oft zitierte These aus der Zeit der »Bauhütte« (Vorläuferprojekt des ZEGG) heißt für uns übersetzt:
Es geht uns darum, dass wir unter Männern und Frauen ein herrschaftsfreies Verhältnis aufbauen, das sich auf gegenseitigem Respekt und der Heilung unserer Verletzungen aufgrund des patriarchalen Systems gründet.
Auf diese Weise werden wir partnerschafts-und gemeinschaftsfähig, statt aus einem Zustand der Entfremdung heraus zu einer Kultur von Gewalt, Dominanz und Ausbeutung beizutragen.
Zu dieser Vision einer Solidarität zwischen Männern und Frauen gehört es, Sexismus, Unterdrückung und Ausbeutung entgegenzuwirken und am Aufbau von Alternativen mitzuwirken.

 
  • »Im ZEGG findet keine Auseinandersetzung der Männer mit ihrer patriarchalen Sozialisation statt.«

Ein Teil der Heilungsarbeit liegt im körperlichen und therapeutischen Bereich. Ein ebenso wichtiger liegt aus unserer Sicht im Aufbau von geistigen und sozialen Strukturen, in denen Frauen und Männer sich verständigen und eine Kultur der Partnerschaft erschaffen - jenseits von Matriarchat oder Patriarchat.

Unsere Ziele sind Heilung, Vertrauen und Solidarität zwischen Männern und Frauen wie auch der Männer und Frauen untereinander.
Aus unserer Sicht geht es darum, dass Frauen und Männer sich der Bedeutung ihrer erotischen Macht bewusst werden und dass sie im Bewusstsein dieser Macht miteinander solidarisch umgehen.
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Es ist für uns selbstverständlich, dass die Männer im ZEGG sich bewusst mit der Geschichte des Patriarchats und mit ihrer eigenen patriarchalen Sozialisation auseinandersetzen. mehr dazu

 
  • »Ideologie und Lebenspraxis des ZEGG sind sexistisch.«

Wir leiten nicht aus einer »naturgegebenen« Geschlechterdifferenz entsprechende »Rollenzuweisungen« ab. Wir teilen die Auffassung, dass Menschen frei sind, sich unabhängig von ihrem Geschlecht Aufgaben in der Gesellschaft zu suchen.
Wir gehen davon aus, dass nur durch eine tief greifende Veränderung der Bewusstseins- und Verhaltensweisen, der Lebens- und Arbeitsformen der Widerspruch zwischen formalrechtlicher Gleichstellung und fortdauernder gesellschaftlicher Diskriminierung der Frau zu lösen ist.
Realität in der ZEGG-Gemeinschaft ist, dass sowohl Männer als auch Frauen die unterschiedlichsten Aufgaben und Rollen jenseits gesellschaftlich üblicher Rollenbilder wahrnehmen.
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Auf der Basis von Respekt für das andere Geschlecht und auch für andere sexuelle Orientierungen, sowie der Anerkennung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Gleichberechtigung von Männern und Frauen erforschen wir unter uns die verschiedenen Qualitäten und die Polarität von »männlich« und »weiblich«.

 
  • »Das ZEGG stellt die gesellschaftlich zur Norm erhobene Heterosexualität nicht in Frage.«

Wir betrachten Homo- oder Bisexualität als eine der vielfältigen Ausdrucksformen von Sexualität. Sexualität und Liebe sind natürlich nicht nur mit PartnerInnen des anderen Geschlechts lebbar.
Da wir bislang ein Projekt vorwiegend heterosexueller Menschen sind, erheben wir nicht den Anspruch, bei dem Thema Homosexualität »kompetent« zu sein.
Entsprechend formulieren wir in den vorliegenden Texten unsere Grundgedanken sprachlich meist mit Bezug auf heterosexuelle Beziehungen, weil diese Formulierung unsere »heterosexuelle Realität« abbildet.

 
  • »Im ZEGG gibt es eine Pflicht zur Sexualität mit mehreren Partnern. Wer dem nicht nachkommt, gilt als gepanzert und krank.«

Im ZEGG gibt es keine Pflicht zu »möglichst viel Sex« oder eine »Pflicht zur Sexualität mit mehreren Personen«. Unsere Utopie von »Freier Liebe« ist weder durch die Art der Sexualität noch durch die Zahl der Partner definiert und bedeutet nicht wahllose Promiskuität.
Wir betonen unseren Gästen gegenüber: Selbstverantwortung, Wahrnehmung und wahrheitsgemäße Kommunikation sind Voraussetzungen bei der Suche nach neuen Formen für Liebe und Sexualität.
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Das bedeutet, gerade im erotischen Bereich die Bedürfnisse anderer Menschen zu achten und sowohl ihre als auch die eigenen Grenzen zu respektieren.
Freiheit heißt nicht, möglichst viel und möglichst oft. Freiheit heißt, in der Lage zu sein, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

 
  • »Die Lebenspraxis und Ideologie der ›Freien Liebe‹ propagiert promiskuitiven Sex ohne Werte wie Verantwortung, Treue und Partnerschaft.«

    »Das ZEGG wirbt für seine Ideologie mit der Aussicht auf Sex.«

Auf der Grundlage von Wahrheit und Vertrauen ist es möglich, die sozialen Voraussetzungen dafür zu schaffen, Liebe und Sexualität auch in Form offener Beziehungen bzw. im Rahmen eines »Liebesnetzwerks« zu leben.
Dazu gehört aus unserer Sicht ein Zusammenleben in Gemeinschaft (bzw. mit einem gemeinschaftlich denkenden und handelnden Freundesnetzwerk), wo wir gemeinsam am Aufbau von Vertrauen und Wahrheit arbeiten und aktiv über unsere Sehnsüchte, Bedürfnisse und Erkenntnisse in der Liebe kommunizieren.
Eine erfüllte und erfüllende Sexualität ist auf Dauer nicht von Nähe, Verlässlichkeit, gegenseitigem Respekt und Partnerschaftlichkeit abzukoppeln.

Die Frage wirklicher Treue ist unabhängig von der Frage, ob ich auch noch andere Menschen liebe. Treue meint nicht Ausschluss anderer, sondern die Treue zu einem Menschen und seiner Wahrheit.
Das heißt nicht, dass Eifersucht nicht auch bei uns immer wieder ein Thema ist - allerdings in einer Atmosphäre von gegenseitiger Unterstützung und im Bewusstsein der Notwendigkeit, dieses Thema in die eigene Verantwortung zu nehmen und darüber selbstverantwortlich zu kommunizieren.
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Bewusst gewählte und verantwortliche Elternschaft ist für uns ein hoher Wert.
Dazu gehört die Annahme der Verantwortung für die eigene Partnerschaft und für die eigenen Kinder, denn sie brauchen für eine angstfreie Entwicklung feste verlässliche Bezugspersonen und ein Klima emotioneller Wärme.

Liebe kann sich auch ganz auf einen Menschen konzentrieren. Eine monogame Beziehung steht nicht im Widerspruch zu unserer Vorstellung von Freiheit, wenn sich beide Partner bewusst, d. h. weder aus Konvention noch aus Angst, dafür entscheiden.

Die Menschen im ZEGG leben verschiedene Beziehungsformen. Langfristige Partnerschaften werden ebenso gepflegt wie die Freude an spontanen erotischen Abenteuern, die gleichgeschlechtliche Liebe ebenso wie die sexuelle Freundschaft zu mehreren Menschen. Wir tauschen uns aus über die Liebe in Männer- und Frauenkreisen und im gemeinsamen Forum.
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Wir möchten soziale Formen aufbauen, in denen neben dem Wunsch nach Dauer und Intimität ebenso die Lust auf Abenteuer und Sexualität Platz haben. Sie steht für sich als eine Grundkraft des Menschen.
Im ZEGG haben wir den »Blauen Salon« geschaffen, ein Haus, in dem niemand wohnt, sondern das ganz der erotischen und sexuellen Begegnung gewidmet ist.

Die Spaltung der Sexualität in den »legalen« Teil der Ehe (oder monogamen Zweierbeziehung) und den »illegalen« Teil der Bordelle und Seitensprünge ist ein nicht wegzudenkender Teil des kapitalistisch-patriarchalen Systems.
Diese Zusammenhänge sind einer der Hintergründe, warum Sexualität für uns ein öffentliches, politisches Thema ist. mehr dazu

Wir haben keine fertigen Antworten.
Dass wir das »heiße« Thema Liebe und Sexualität in unsere Forschung einbeziehen, ist ein wesentlicher Grund für die Kritik und die Missverständnisse gegenüber unserer Arbeit, aber auch ein wesentlicher Grund unserer Motivation und unserer Attraktivität.
Wir sind uns bewusst, dass wir selbst (neben stellenweise missverständlichen Textstellen in den Büchern von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels) durch einen manchmal ideologischen Umgangston mit dem Thema Liebe und Sexualität in den Anfangsjahren des ZEGG zu Missverständnissen beigetragen haben.
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