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7. Zur Kritik: »Verharmlosung von Vergewaltigung«

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Die Kritik:

»Dieter Duhm, Sabine Lichtenfels und das ZEGG verharmlosen in ihren Veröffentlichungen Vergewaltigung und ignorieren bei ihren Gesellschaftsanalysen völlig die Existenz von Sexismus und patriarchalen Gewaltverhältnissen zwischen den Geschlechtern.«
»Zeggsismus«, Hg. »Die rosaroten Pantherinnen«,
AG Sekten ASTA FU Berlin, 1995
1.

Es ist unbestreitbar, dass Frauen nach wie vor weltweit sexistischer männlicher Gewalt ausgesetzt sind. Niemand im ZEGG leugnet oder verharmlost diese Tatsache.
Voraussetzung für eine Heilung in der Liebe und für die Verwirklichung einer angstfreien Sexualität ist eine Überwindung physischer und struktureller sexueller Gewalt und der patriarchalen Gewaltverhältnisse in unserer Gesellschaft.

2.

Die sexuelle Anziehungskraft gibt Männern wie Frauen eine große sexuelle »Macht« übereinander. Aus unserer Sicht geht es darum, dass Frauen und Männer sich ihrer emotionalen und erotischen Macht bewusst werden und dass sie im Bewusstsein dieser Macht miteinander solidarisch umgehen.
Dabei braucht es einen Raum von Wahrheit und Vertrauen, um sich jenseits unserer Heilung von patriarchalen Denkmustern und Verletzungen die Fragen nach der sexuellen Wahrheit zwischen Männern und Frauen im Sinne eines Forschungsexperimentes immer wieder neu zu stellen.
Nur auf der Basis einer solchen Solidarität und eines solchen bewussten Umgangs mit der Sexualität können wir wagen, auch die abgespaltenen Seiten der Sexualität anzuschauen, statt sie unverstanden, verdrängt oder tabuisiert als Ferment individueller Gewaltbereitschaft zu belassen.

3.

In der patriarchalen Epoche wurden sinnliche Liebe und Sexualität mit Schuld, Scham und Angst belegt. Sie wurden gespalten in einen gelebten und einen ungelebten Teil, den »legalen« Teil der Ehe (oder monogamen Zweierbeziehung) und den »illegalen« Teil der Bordelle und Seitensprünge.
Mit diesem historischen Erbe sind Frauen und Männer in der Liebe konfrontiert.
Wir wollen eine bewusste Alternative schaffen zu dieser Gewalt erzeugenden Doppelmoral der bestehenden Gesellschaft, die ein nicht wegzudenkender Teil des kapitalistisch-patriarchalen Systems ist.

4.

Es geht in diesem Zusammenhang nicht nur um die Überwindung von entfremdeter Sexualität, Prostitution, Sexindustrie und sexueller Gewalt.
Es geht auch um Alternativen zur Vereinzelung in der Gesellschaft, zur zunehmenden Zahl Alleinerziehender, zu Patchwork-Familien und zu dem ratlosen Umgang unserer Gesellschaft mit erotischer Anziehung und der »Sprengkraft«, die für viele im Widerspruch zwischen sexuellen Sehnsüchten und der Unerfüllbarkeit des romantischen Liebesideals liegt.

5.

Diese Zusammenhänge sind einer der Hintergründe, warum Sexualität für uns ein öffentliches, politisches Thema ist. Wir suchen nach Wegen, diese Kraft in unser soziales Leben bewusst und bejahend zu integrieren.
Es geht uns im ZEGG um eine umfassende Heilungsarbeit unter Frauen und Männern, im individuellen wie im kollektiven Sinn. Unser Ziele sind Heilung, Vertrauen und Solidarität zwischen Männern und Frauen in der Sexualität.

6.

Den Frauen im ZEGG geht es um ein bewusstes Verlassen ihrer patriarchalen Sozialisation und um eine selbstbestimmte Sexualität. Sie versuchen nicht, sie im Namen irgendeiner »Mission« zu leben, wohl aber in einem Geist der Verständigung und Versöhnung mit den Männern.

7.

Wir halten die in diesem Zusammenhang zitierten Textstellen für sehr missverständlich. Die Missverständnisse wurden noch verstärkt dadurch, dass die Zitate von den Kritikern oft aus dem Zusammenhang gerissen wurden und so verkürzt nicht mehr nachvollziehbar sind.
Aus unserer Sicht setzt das den Texten zugrunde liegende Menschenbild allerdings den Respekt für das andere Geschlecht und die absolute Anerkennung sexueller Selbstbestimmung von Frauen und Männern voraus.
Die hier angedachte Integration aller Seiten der Sexualität in eine solidarische Begegnung der Geschlechter ist unter den gegebenen gesellschaftlichen Strukturen schwer vorstellbar.
Die Zitate sind unseres Erachtens im Zusammenhang der von Sabine Lichtenfels formulierten Absicht zu sehen:

»(…) neue soziale Strukturen des menschlichen Zusammenlebens im Kernbereich von Liebe und Sexualität zu entwickeln, in denen es keine reale Vergewaltigung und keine Hörigkeit mehr gibt«.

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