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8. Zur Kritik an der politischen Praxis und Theorie des ZEGG

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In unserem politischen Verständnis sind Gemeinschaften Modelle für eine sozial und ökologisch nachhaltige Welt.
Das ZEGG wird kritisiert für das, was man für unsere politische Theorie und Praxis hält - formuliert als Kritik an den Veröffentlichungen und der »Politischen Theorie« von Dieter Duhm (siehe »Zeggsismus«, Hg. »Die rosaroten Pantherinnen«, AG Sekten ASTA FU Berlin, 1995), aber auch als allgemeine Kritik an der Gemeinschaftsbewegung.

Zur Kritik an unserer politischen Arbeit:

  • »Das ZEGG und die ›Politische Theorie‹ (von Dieter Duhm) entpolitisieren - die Lebenspraxis des ZEGG bedeutet einen Rückzug in eine politisch bedeutungslose Nische.«
    »Das ZEGG ignoriert Herrschaftsstrukturen und verharmlost Ausbeutungs-Verhältnisse.« 
  • »Das ZEGG ist ideologisch, d.h. beansprucht die Definitionsmacht allgemeingültiger Normen für ›richtiges‹ Verhalten für sich. Das apokalyptische Sendungsbewusstsein und der universalistische Weltrettungsanspruch des ZEGG unter der Überschrift ›Heilungsbiotop‹ birgt die Gefahr und Möglichkeit einer totalitären Wendung.« 



Zur Kritik

  • »Das ZEGG und ›Die Politische Theorie‹ (von Dieter Duhm) entpolitisieren - die Lebenspraxis des ZEGG bedeutet einen Rückzug in eine politisch bedeutungslose Nische.«
    »Das ZEGG ignoriert Herrschaftsstrukturen und verharmlost Ausbeutungs-Verhältnisse.«
1.

Wir behaupten nicht

  • dass man durch einzelne private Initiativen oder dadurch, dass man »anders lebt«, die Strukturfehler eines ganzen Systems beseitigen kann
  • dass, wer sich politisch/historisch und experimentell mit den Themen »Liebe und Sexualität« auseinandersetzt, sich nicht mehr um WTO oder Hartz IV scheren muss,
  • oder dass wir eine politische Gesamtstrategie in Händen hielten.

Die Analyse des kapitalistischen Systems und der Widerstand gegen die konzerngesteuerte neoliberale Globalisierung sind Hintergrund unserer politischen Arbeit und unseres Gemeinschaftsaufbaus.
Sie waren auch Ausgangspunkt in den Vorläuferprojekten des ZEGG und werden in den Texten von Dieter Duhm (Autor von »Angst im Kapitalismus«, 1972) und Sabine Lichtenfels vorausgesetzt.
Viele Mitglieder der ZEGG-Gemeinschaft kommen aus der Ökologie-, Friedens- und Frauenbewegung.

Daneben sehen wir die Notwendigkeit, Alternativen zur konsumorientierten Lebensweise aufzubauen und an Strategien zur Verständigung und Versöhnung zu arbeiten. Gemeinschaften können wichtige gesellschaftliche Impulsgeber sein. Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet, sondern Gewinn von Lebensqualität.
Kein Mensch kann ohne Gemeinschaft leben, auch wenn unsere westliche Kultur die Illusion des autonom lebenden Individuums nährt, das ohne Verbindung zu seiner Umwelt frei lebt und konsumiert. Vereinzelung und Kapitalismus sind zwei Seiten derselben Medaille.

»Die Aufgabe all jener, die nicht mehr an eine Reform des Systems oder eine Re-Regulierung der Weltorganisationen glauben, wird sein, im Innern dieser Bewegung durch Konzepte und Szenarien zu beweisen, dass eine grundsätzliche Alternative möglich und machbar ist.«
P.M., Subcoma - Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft, Zürich 2000
2.

Unser Ziel im ZEGG ist, den Aufbau einer ökologisch und sozial nachhaltigen Gemeinschaft als Lebensmodell, persönliche Entwicklung und Spiritualität, neue Formen für Liebe und Sexualität und politisches Engagement in der Region und darüber hinaus zu verbinden.

Das heißt konkret:

  • Wir sind neben dem Gemeinschaftsaufbau regional, überregional und international politisch aktiv. mehr dazu
  • Mit dem Aufbau unserer Gemeinschaft verfolgen wir politische Ziele.
    Wir betrachten den Aufbau von Gemeinschaft als politische Notwendigkeit und nicht nur als Frage eines persönlichen Lebensstils.
    mehr dazu
  • Für uns ist die Liebe ein Politikum, weil es für das Gelingen der Liebe auch sozialer und kultureller Veränderungen bedarf. mehr dazu
  • Wir versuchen, in unserer politischen Arbeit innere und äußere Friedensarbeit zu verbinden und Spiritualität und Kreativität für unser politisches Engagement zu nutzen. mehr dazu

Grundgedanken zur unserer politischen Arbeit und Tätigkeitsbericht des Politischen Salons


Zur Kritik

»Das ZEGG ist ideologisch, d.h. beansprucht die Definitionsmacht allgemeingültiger Normen für ›richtiges‹ Verhalten für sich. Das apokalyptische Sendungsbewusstsein und der universalistische Weltrettungsanspruch des ZEGG unter der Überschrift ›Heilungsbiotop‹ birgt die Gefahr und Möglichkeit einer totalitären Wendung.«
1.

Es gibt in der ZEGG-Gemeinschaft keine »einheitliche« politische Theorie im Sinne einer gemeinsamen Überzeugung, auf welchem Weg die von uns vorgestellte gesamtgesellschaftliche Veränderung politisch verwirklicht werden kann.

Wir setzen auf

  • den Aufbau von Modellprojekten
  • Regionalentwicklung und Verwirklichung von Zielen wie Subsistenz und regionale Autarkie in wichtigen Lebensbereichen
  • Vernetzung von Gemeinschaftsprojekten und Ökodörfern untereinander und von der Gemeinschaftsbewegung mit der globalisierungskritischen Bewegung, politischen Basisbewegungen und NGOs weltweit.
2.

Die »Politische Theorie« von Dieter Duhm ist für einige von uns Inspiration unserer politischen Arbeit, für andere hat sie keine Bedeutung für ihr politisches Engagement.

Zur »Politischen Theorie«:

»Eine radikale Veränderung unseres Zusammenlebens untereinander und mit den Wesen der Natur hätte, wenn sie an wenigen Orten real stattfände, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wirkung auf das Ganze im Sinne der morphogenetischen Feldbildung.«
Dieter Duhm »Die Kriegsgesellschaft und ihre Transformation«,  2005
www.dieter-duhm.de/html/0202.htm

Das Konzept der Heilungsbiotope von Dieter Duhm liegt dem Aufbau des mit uns befreundeten Projekts Tamera in Portugal zugrunde.
Wir selbst bezeichnen das ZEGG nicht als »Heilungsbiotop« und streben diese umfassende Modellhaftigkeit auch nicht an.
Bei Interesse an einer Diskussion über die »Politische Theorie« verweisen wir auf die Bücher von Dieter Duhm sowie die aktuellen Publikationen aus Tamera.

Die »Zwölf Punkte für eine gewaltfreie Gesamtkultur« (»Zwölf Thesen« von Dieter Duhm, Politische Texte, 1992) waren die geistige Grundlage des Projekts MEIGA und seiner verschiedenen Projekte. Die dort benannten Grundgedanken sind auch heute noch für unsere Arbeit im ZEGG von Bedeutung.
Allerdings wünscht sich ein Teil der ZEGG-Gemeinschaft von Form und Sprache her eine andere Präsentation ihrer Grundgedanken, als dies zurzeit noch durch die »12 Thesen-Tafel« am Campus des ZEGG-Geländes geschieht.

3.

Der Ausstieg aus entfremdeten ökonomischen und sozialen Strukturen in den westlichen Industrieländern und der Einsatz für solidarische, faire und nachhaltige Strukturen in der gesamten Weltwirtschaft gehören für uns zusammen. Unser gemeinschaftliches Engagement für die Erprobung neuer sozialer Strukturen, unsere bewussten Konsum - Entscheidungen und - Verzichte, sowie unser Engagement für die Entwicklung sozio-ökonomisch tragfähiger Strukturen in unserer Region, sind unser Ansatz, zu der notwendigen Veränderung beizutragen.

4.

Wir haben keine Erlösungsbotschaft und kein Allheilmittel, sondern sehen uns als Teil eines regionalen und internationalen Netzwerks von engagierten Menschen und Projekten. Es braucht Forschungen dafür, wie Menschen anders als in unserer Konsumgesellschaft zusammenleben können, und wir halten dringend Gegeninformationen zu diesem angeblich alternativlosen Gesellschaftsmodell für notwendig.

Dabei haben wir einen positiven Begriff von »konkreter Utopie«.
Eine unserer Prämissen für dieses Experiment ist: Zu den wichtigsten Merkmalen eines lebendigen Kulturkonzepts gehört seine Unfertigkeit, seine Offenheit für Veränderung, Selbstkorrektur und Entwicklung.
mehr dazu

5.

Unsere Überzeugung von der spirituellen Verbundenheit und Gleichwertigkeit aller Menschen macht es in unseren Augen unmöglich, in Kategorien von Apokalypse in dem Sinne zu denken, dass »Auserwählte« überleben und andere zugrunde gehen (wie dies Dieter Duhm unterstellt wurde).
Der Satz von Vine Deloria »Nur Stämme werden überleben« kann heute nur heißen:
Die Menschheit wird überleben, wenn sie sich als ein »Stamm« begreift.

6.

Wir kennen die deutsche Vergangenheit und sind uns der Gefahren völkisch-faschistischer Ideologien bewusst. Deshalb engagieren wir uns seit Jahren gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in Belzig und im Land Brandenburg.

Wam Kat und Ramona Stucki, zwei langjährige Bewohner des ZEGG, sind Mitbegründer und Mitarbeiter des Info-Cafés »Der Winkel«, das 1998 aus einem Arbeitskreis des »Belziger Forums gegen Rechts und Gewalt« hervorgegangen ist und noch heute existiert. Durch seine Arbeit trägt es wesentlich zu einer toleranten und weltoffenen Atmosphäre in Belzig bei.

Wir sind eine basisdemokratische Gemeinschaft und ein internationaler politischer und künstlerischer Treffpunkt mit Kontakten und Freunden in aller Welt.
Eine Umdeutung dessen, was uns am Herzen liegt, in ein elitäres, hierarchisches oder antisemitisches Weltbild ist mit uns nicht zu machen.

Ein Zitat von Timo Wendling in seiner Replik an die »Rosaroten Pantherinnen« 1996:

»Maßstab muss sein, dass nicht wieder ›höhere Ziele‹ für die Außerkraftsetzung der Humanität missbraucht werden können.
Wenn allerdings jemand für euch faschistisch ist, weil er Spiritualität und Politik verbindet, ist das ein sehr eingeschränktes Weltbild.«
Timo Wendling, Das ZEGG in der Auseinandersetzung, Replik auf die »Zeggsismus«-Broschüre der »Rosaroten Pantherinnen«, 1996
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