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9. Zur Kritik »Hierarchie und autoritäre Strukturen im ZEGG«

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Emanzipation und Herrschaftsfreiheit sind Paradigmen, die für unseren Alltag und unsere politische Praxis Gültigkeit haben. Aber was heißt das konkret für den Aufbau einer basisdemokratischen Gemeinschaft?

Wir nehmen hier Stellung zu folgender Kritik am ZEGG:

  • »Hierarchien und Führertum werden als ›natürlich‹ hingenommen. Im ZEGG sollen sie lediglich aufgedeckt, nicht aber abgebaut werden.«
1.

Das ZEGG ist eine basisdemokratische Gemeinschaft.
Die Gemeinschaft organisiert sich in weitgehend selbstständigen Arbeitsbereichen, die teilweise auch eine fachbezogene Leitung haben, z. B. Küche, Tagungsorganisation, Kinderhaus, Garten, Geländepflege. Finanzielle Entscheidungen größeren Umfangs und Entscheidungen, die die ganze Gemeinschaft betreffen, werden im Finanzgremium und anderen arbeitsbereichsbezogenen Gremien vorbereitet. Die Empfehlungen erlangen Gültigkeit, wenn ihnen innerhalb von 14 Tagen nicht widersprochen wird. Bei einem Widerspruch entscheidet das Bewohnerplenum im Konsens.

mehr: Basisdemokratie und Selbstorganisation im ZEGG

2.

Unsere Gesellschaftsutopie ist eine Basisdemokratie freier Menschen.
Wir bemühen uns, Strukturen wie Konkurrenz, Hierarchie und Kollektivismus usw. bewusst zu machen, um sie abbauen und an ihrer Stelle eine echte Basisdemokratie aufbauen zu können.
Eine freie Welt besteht für uns aus freien Menschen, die sagen, was sie denken und zeigen, was sie fühlen. Sie sind niemandem untergeordnet außer ihrem eigenen Wissen und Gewissen.

Im Prozess der Konsensfindung geht es uns darum, die Komplexität, die Vielfalt des Lebens und der menschlichen Bedürfnisse in unseren Entscheidungsprozessen so zu berücksichtigen, dass Entscheidungen von möglichst allen Beteiligten mitgetragen und unterstützt werden.

3.

In den Vorläuferprojekten, die zum Aufbau des ZEGG führten, wurde Dieter Duhm die Leitung der Gruppen übertragen.
Im ZEGG selbst wurde in der Anfangsphase mit verschiedenen zentralen Leitungsmodellen experimentiert. Kurzzeitige Experimente mit verschiedensten Leitungsgremien, die Einsetzung einer »Chefin« mit einem Trägerkreis 1994 (hierauf nehmen die »Rosaroten Pantherinnen« in ihrer Kritik 1995 Bezug), Auseinandersetzungen über Machtfragen, Auszüge und Neuzugänge führten schließlich zur Abschaffung des Leitungssystems 1996. Die Entscheidungsgewalt wurde auf das Plenum übertragen.
Seitdem hat sich eine Basisdemokratie nach dem Konsensprinzip entwickelt, die bis heute besteht.

4.

Wir haben als ein Medium, um die Transparenz im Bereich der Liebe, in Macht- und Entscheidungsstrukturen zu fördern, das »Forum« entwickelt.

mehr: Das Forum

In jeder Gemeinschaft gibt es wesentliche innere Vorgänge, die darüber entscheiden, ob die Menschen einander vertrauen können. Diese Vorgänge haben meistens mit Macht, Geld, Sex und Liebe zu tun. Wenn diese Themen nicht durchschaubar sind, kommt es zu vielfältigen Spekulationen, zu Misstrauen, Abgrenzungen usw., die das Klima untergründig bestimmen.

Das Forum ist ein wesentlicher Baustein zur Entwicklung von Selbstkenntnis und zur Vertrauensbildung in unserer Gemeinschaft, zum Beispiel durch die Trennung von emotionalen und Sachthemen und durch die künstlerische Gestaltung emotioneller Konflikte statt ihrer Manifestierung,
Die Forumsleitung ist Teil der Gruppe. Sie übernimmt die Rolle der Leitung für ein Forum und ist als solche auch kritisierbar.

Darüber hinaus nutzen wir auch andere Methoden und Erfahrungen bei der Lösung von Konflikten, wie die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg.

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